Archiv WS 2016/17

In diesem Archiv erhalten Sie Informationen zu bereits gehaltenen Vorträgen im WS 2016/17 und können diese in digitalisierter Form nachhören oder herunterladen.


Di, 20. Juli 2017

Prof. Dr. Elke Ukena-Best

(Germanistisches Seminar Heidelberg):

Luthers Verdikt über die geistlichen Spiele des Mittelalters und die Wende zum frühneuzeitlichen Reformationsdrama

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Als ‚affenspiel‘ brandmarkte Martin Luther in einer Fastenpostille aus dem Jahre 1525 das im Laufe des 15. Jahrhunderts zum städtischen Großereignis expandierte, oft mehrtägig aufgeführte geistliche Spiel. Besonders kritisierte er das Passionsspiel, das mit der drastischen Darstellung des Leidens und Sterbens Jesu den Zuschauern eine verzerrte, profanisierende Vergegenwärtigung des Heilsgeschehens vermittelte.

Gleichwohl befürwortete er im Interesse der Verbreitung reformatorischer Glaubenslehre die Dramatisierung biblischer Stoffe und ihre öffentliche Darbietung. Anhand ausgewählter Beispiele wird der Vortrag auf die grundlegenden Unterschiede der beiden Formen religiöser Dramatik, aber auch auf Gemeinsamkeiten der theatralen Realisierung eingehen, die sich vor allem in den beiderseits angewandten performativen Strategien einer wirkungsvollen Publikumslenkung dokumentieren.

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Elke Ukena-Best Luthers Verdikt über die
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Do, 13. Juli 2017

Matthias Schärr

(Pfarrer und Mitglied des Vorstandes der Evang. Stadtmission Heidelberg e.V.):

Zwischen Ökonomie und christlicher Nächstenliebe.

Die Evang. Stadtmission Heidelberg, ein diakonisches Unternehmen mit über 1400 Mitarbeitern

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Seit über 150 Jahren gibt es die Evangelische Stadtmission in Heidelberg. Am Anfang war es das bürgerschaftliche Engagement von Kaufleuten, aber auch von Menschen aus der Kirche und der Universität, die motiviert durch ihren christlichen Glauben einen „Verein für christliche und wohltätige Zwecke“ gründeten, der sich von Anfang an „Stadtmission“ nannte. Inspiriert durch die Idee der „Inneren Mission“, die Johann Hinrich Wichern auf Vortragsreisen Mitte des 19. Jahrhunderts propagierte, gründeten sie Werke und Einrichtungen, die die Keim-zelle eines bis heute existierenden diakonischen Unternehmens bildeten. Heute arbeiten mehr als 1400 Mitarbeitende in zwanzig verschiedenen Einrichtungen bei der Evang. Stadtmission. Sie betreibt unter anderem Krankenhäuser, Pflegeheime, Einrichtungen für wohnungslose und suchtkranke Menschen.


Die Entwicklung von einer bürgerschaftlichen und christ-lichen Initiative aus dem 19. Jahrhundert, hin zu einem Unternehmen, das seitdem immer weiter gewachsen ist und sich auf dem Markt der sozialen Anbieter bewähren muss, ist spannend zu beobachten. Der Kostendruck im sozialen Bereich, die Entwicklungen in einer zunehmend säkulareren, multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft verändern die Bedingungen.

 

In den Ausführungen soll die Frage beleuchtet werden,  wie sich diese Entwicklungen

auf das diakonische Profil,  die Erwartungen und Wahrnehmungen der Menschen in der Stadt, der Patienten, Klienten und Bewohner, wie auch auf die Motivationen der Mitarbeitenden auswirkt.

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Matthias Schärr Zwischen Ökonomie und ch
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Di, 11. Juli 2017

Dr. Marco Wagner

(Historisches Institut Mannheim):

Die Migration aus und nach Deutschland in der Frühen Neuzeit

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Schon lange ist Deutschland ein Land der Migration. Krankheiten, Kriege, Verfolgungen und wirtschaftliche Krisen setzten Menschen in Bewegung, um eine neue Heimat zu finden – und das aus und nach Deutschland. Auch die Hoffnung auf eine besseres Leben fernab der heimatlichen Armut bot immer wieder Anlass für Auswanderung – so wanderten seit dem 18. Jahrhundert tausende von Menschen aus Südwestdeutschland – allen voran die Kurpfälzer – nach Nordamerika aus.

 

Was trieb die Menschen zur Migration an? Waren es ganz persönliche oder vielleicht gesellschaftliche Gründe, wie die Sorge vor religiöser Verfolgung? Spielte die Konfessionszugehörigkeit eine Rolle bei der Migrationsentscheidung? War es die Hoffnung, andernorts ein besseres Auskommen zu haben? Und wie reagierten die staatlichen Obrigkeiten auf die Aus- und Einwanderung?

 

Anhand von ausgewählten Beispielen werden im Vortrag verschiedene Migrationsbewegungen aus und nach Deutschland während der Frühen Neuzeit in den Blick genommen.



Di, 4. Juli 2017

Hanna Strehlau

(Geschichte, Heidelberg):

Der Kościuszko-Aufstand und die Dritte Teilung Polen-Litauens (1794-1795).

Krise und Zäsur in der Geschichte Ostmitteleuropas

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Am 24. März 1794 leistete Tadeusz Kościuszko auf dem Marktplatz von Krakau den
Eid auf die sogenannte „Insurrektionsakte“. Mit diesem Ereignis begann ein achtmonatiger Kampf zwischen aufständischen Polen und den Truppen der Nachbarmächte Russland, Preußen und Österreich, welche das Land zuvor bereits zwei Mal unter sich aufgeteilt hatten. Der Aufstand mündete nicht in der Befreiung von den fremden Mächten, sondern hatte die komplette Tilgung des Landes zur Folge.

Der Prozess der Teilung Polen-Litauens gehört zu den großen Zäsuren in der Geschichte Ostmitteleuropas, hat jedoch in der deutschen akademischen Öffentlichkeit bisher wenig Resonanz erfahren. Dies mag wohl auch darin begründet sein, dass dieses Ereignis im Schatten der Französischen Revolution steht und somit eher als Fußnote der europäischen Geschichte des 18. Jahrhunderts wahrgenommen wird.

Der Vortrag möchte daher im 200. Todesjahr Kościuszkos einen Überblick über die zentralen Ereignisse sowohl des Aufstands als auch der Teilung geben. Hierbei werden sowohl Faktoren der innenpolitischen als auch außenpolitischen Entwicklung Polen-Litauens in den Blick genommen und problematisiert.

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Hana Strehlau Der Kościuszko-Aufstand un
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Do, 29. Juni 2017

Wolfgang Grenz

(Generalsekretär von Amnesty International Deutschland 2011-2013; Vorsitzender des Aufsichtsrats der UNO-Flüchtlingshilfe, Berlin):

Wendepunkte in der Flüchtlingspolitik.

Europa schließt die Grenzen

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Die Aufnahme von Zehntausenden in Ungarn gestrandeten Flüchtlingen aus Syrien im Herbst 2015 ist von großen Teilen der Bevölkerung begrüßt worden. Viele haben ehrenamtlich Flüchtlingen nach ihrer Ankunft in Deutschland geholfen. Zugleich ist die Aufnahme der Flüchtlinge aber in anderen Teilen der Bevölkerung, in der Regierungskoalition und in einigen Medien auf heftige Kritik gestoßen. Die Aufnahme einer solch großen Zahl von Flüchtlingen würde Deutschland überfordern. Zwar hat die Bundeskanzlerin an ihrem Ausspruch „Wir schaffen das“ festgehalten, dennoch stellt
die Aufnahme von Flüchtlingen in großer Zahl im Herbst und Winter 2015 zugleich auch einen Wendepunkt in der deutschen und europäischen Flüchtlingspolitik dar. In Deutschland wurden mehrere Gesetze beschlossen, die die bis zum Sommer 2015 erreichten Verbesserungen für Flüchtlinge wieder zurückgenommen haben. Die Schließung der „Balkanroute“ und die Vereinbarung der EU mit der Türkei haben dafür gesorgt, dass viele Flüchtlinge daran gehindert werden, in Europa Schutz zu suchen und zu finden. Die Bundesregierung und die EU-Kommission arbeiten an weiteren Plänen, Flüchtlingen den Zugang nach Europa zu verwehren.


Wolfgang Grenz wird einen Überblick über die Grundlagen des internationalen Flüchtlingsrechts geben und darstellen, inwieweit die erfolgten und geplanten Maßnahmen in Einklang mit dem internationalen Flüchtlingsrecht stehen.

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Wolfgang Grenz Wendepunkte in der Flücht
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Do, 22. Juni 2017

Anna Mattfeldt

(Germanistisches Seminar Heidelberg):

Konflikte und Unsicherheit im Mensch-Natur-Verhältnis.

Vom Sprechen über Naturkatastrophen und Energiegewinnung in Deutschland und den USA

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Unsere Vorstellung vom Verhältnis zwischen Mensch und Natur ist von vielen, teils widersprüchlichen Konzepten geprägt: Die Natur kann als erhaben oder unbezähmbar betrachtet werden, als nützlich für unsere Rohstoffgewinnung, als Gefahr, Idylle, ursprünglicher Rückzugsort oder unberechenbarer Risikofaktor. Der Mensch positioniert sich also ganz unterschiedlich zur Natur. Aus diesen unterschiedlichen Blickwinkeln ergeben sich ‒ auch auf sprachlicher Ebene! ‒ Konflikte zwischen den verschiedenen Perspektiven und Konzepten. In verschiedenen Sprachen, wie dem Deutschen und Englischen, werden bestimmte Naturvorstellungen und unser Umgang mit der Natur auch abhängig vom Sprachsystem und kulturellen Hinter-gründen ausgeprägt und in verschiedenen gesellschaftlichen Diskursen debattiert.

In diesem Vortrag wird aus einer sprachwissenschaftlichen Perspektive analysiert,
wie sich in Deutschland und den USA Naturvorstellungen sprachlich (und bildlich) ausdrücken. Es werden beispielhaft Diskussionen um Energiegewinnungsmethoden
wie das umstrittene Fracking-Verfahren sowie um Naturkatastrophen wie den
Hurrikan
„Sandy“, der 2012 vor allem die Ostküste der USA traf, in den Vordergrund gestellt und auf lexikalischer sowie auf kultureller Ebene untersucht.

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Mi, 7. Juni 2017

Prof. Dr. Christian Mann

(Historisches Institut Mannheim):

Der Ostrakismos in Athen.

Ein demokratisches Instrument?

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Die Athener schufen mit dem Ostrakismos (,,Scherbengericht“) eine welthistorisch einmalige Institution. Jeder Bürger durfte einen Namen in eine Scherbe ritzen, die am häufigsten genannte Person musste die Stadt für zehn Jahre verlassen. In der Beurteilung der athenischen Demokratie spielt der Ostrakismos eine zentrale Rolle: Für die einen ist er ein Beweis für die Undankbarkeit des Volkes, für andere eine starke und notwendige Waffe einer wehrhaften Demokratie gegen ihre Feinde. Im Vortrag wird das Verfahren erläutert und verschiedene Forschungsansätze präsentiert.

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Christian Mann Der Ostrakismos in Athen.
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Di, 30. Mai 2017

Prof. Dr. Dietrich Harth

(Germanistisches Seminar Heidelberg):

Die Geburt der Literatur aus der Schrift.

Eine kultur- und literaturvergleichende Grenzgängerei

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Die Vorlesung schlägt einen weiten Bogen vom schamanistischen Abenteuer über dessen Aufzeichnung bis hin zu den zivilisatorischen Errungenschaften einer entwickelten Schriftkultur. Schriftlichkeit, lautet eine bekannte These, verleitet zu ambivalenten Aussagen: Sie fixiert Bedeutungen zugunsten der formalen Rationalität und erzeugt dennoch  Vieldeutigkeit, sie begründet das literarische Gedächtnis und ist zugleich verantwortlich für das Traditionsvergessen usw.

Das alles ist Futter für endlose Debatten, deren bunte Vielfalt sich im Vortrag nur andeuten lässt. Wo ist die Schrift Objekt, wo Medium und was hat vom einen wie anderen die literale Kultur? Treten Literaturwissenschaft und Kulturanthropologie ins Gespräch, dann kommt das Suchen und Fragen nicht zur Ruhe. Die Vorlesung will dem kein Ende machen, vielmehr dazu anregen, nicht nur mehr sondern auch andere Fragen zu stellen. 

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Dietrich Harth Die Geburt der Literatur
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Do, 4. Mai 2017

PD Dr. Magnus Schlette

(Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft, Leiter des Arbeitsbereichs „Theologie und Naturwissenschaft“, Heidelberg):

Freiheit gegen Sittlichkeit.

Annotationen zu der Fernsehserie Breaking Bad

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Die Geltung von Werten beschränkt sich nicht auf propositional verfasste normative Überzeugungen. Auf einer viel grundlegenderen Ebene verkörpern sie sich in unserer zweiten Natur. Anhand der Fernsehserie „Breaking Bad“ wird herausgearbeitet, dass Werthaltungen sich der Leiblichkeit des Subjekts einschreiben. Der Protagonist der Serie exemplifiziert, wie implizite Wertorientierungen gerade im Durchgriff kultureller Verkörperung auf den Leib ihre ebenso unauffällige wie nachhaltige normative Wirkung entfalten.

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Magnus Schlette Freiheit gegen Sittlichk
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