Archiv SS 2016

In diesem Archiv erhalten Sie Informationen zu bereits gehaltenen Vorträgen im SS 2016 und können diese in digitalisierter Form nachhören oder herunterladen.


Vorträge im Sommersemester 2016


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Do., 21. Juli 2016

Prof. Dr. Peter König

(Philosophie, Heidelberg; p.koenig@urz.uni-heidelberg.de):

Technik diesseits und jenseits der Menschen

 

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Häufig spricht man in einem Atemzug vom Segen und Fluch der Technik. Die Technik und der technische Fortschritt sind in der Tat eine doppelgesichtige zweideutige Erscheinung. Auf der einen Seite scheinen sie, das Versprechen fast unbegrenzter Möglichkeiten zur Überwindung der naturgegebenen Bedingtheit des Menschen und zur Verbesserung seiner Lebensumstände zu enthalten, auf der anderen Seite ein unheimliches Geschehen darzustellen, das unablässig neue unabschätzbare Gefahren der Zerstörung und der Entfremdung entfesselt und sich der Kontrolle entzieht.

 

Mit der extremen Beschleunigung der technischen Entwicklung hat sich in jüngster Zeit diese zwischen Erlösungshoffnung und Katastrophenangst schwankende Einstellung dramatisch zugespitzt. Damit geht das wachsende Bedürfnis einher, sich über die Bedeutung der Technik in der menschlichen Lebenswelt zu verständigen und die ihr anhaftende Zweideutigkeit durch klare Grenzziehungen zu entscheiden, in der Erwartung, die zukünftige Geschichte in wünschenswerte und überschaubare Bahnen zu lenken. Doch woher sollen diese Grenzsetzungen genommen werden? Läge in der Natur des Menschen, im „Humanen“, die Grundlage für solche Technik begrenzende Grenzziehung? Gegen diesen Ansatz sprechen eine Reihe von Argumenten. Doch welche Alternativen lassen sich denken?

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Peter König Technik diesseits und jensei
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Der Vortrag wurde am 22. Oktober 2016 in der Sendung „Hörsaal“ von Deutschlandradio Wissen ausgestrahlt und kann auch als Podcast nachgehört werden. 



Do., 14. Juli 2016

Dr. Petra Schling

(Biochemie-Zentrum Heidelberg; petra.schling@bzh.uni-heidelberg.de):

Molekulare Grundlagen des Glücks.

Macht Schokolade wirklich glücklich?

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„Freude“ und „Glück“ sind keine metaphysischen Glaubensinhalte, sondern eine handfeste naturwissenschaftliche Notwendigkeit. Die Moleküle, die wir heute mit der Empfindung von Freude und Glück in Zusammenhang bringen, waren teilweise schon in Gebrauch, als unsere Erde noch ausschließlich von Bakterien und Viren bevölkert wurde. Seit dieser Urzeit hat sich ein sehr komplexes System entwickelt, in dem Serotonin und Dopamin die Hauptrollen spielen. Freude und Glück sind also kein Selbstzweck, sondern ein cleverer Schachzug der Evolution. Dopamin motiviert und belohnt uns für Tätigkeiten, die unser eigenes Überleben und den Fortbestand unserer Art sichern: Essen und Sex. Und Serotonin ist verantwortlich dafür, dass wir auch irgendwann satt und zufrieden sind. Zusammen sorgen beide Moleküle dafür, dass wir unsere Ressourcen flexibel einsetzen können und auf äußere Einflüsse, wie z.B. Stress, adäquat reagieren.

Der Vortrag soll am Beispiel der Ernährung zeigen, wie unsere beiden „Glückshormone“ Dopamin und Serotonin von einer Mahlzeit beeinflusst werden, und wie sie im Gegenzug wiederum unser Essverhalten steuern. Anhand von Beispielen aus der Medizin (Adipositas, Anorexia Nervosa, Depression und Suchtverhalten) wird schnell klar, wie eng Nahrungsaufnahme und Glück zusammenhängen und wie viel es auf diesem Gebiet noch zu tun gibt, bevor betroffenen Personen effizient geholfen werden kann. Denn eines ist klar: unser Bewusstsein, auf das wir ja so stolz sind, hat mit dem Glücklich-Sein nur sehr wenig zu tun. Eher schon ein Stück Schokolade.

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Petra Schling Molekulare Grundlagen des
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Der Vortrag wurde am 27. August 2016 in der Sendung „Hörsaal“ von Deutschlandradio Wissen ausgestrahlt und kann auch als Podcast nachgehört werden. 



Mi., 6. Juli 2016

Prof. Dr. Anton Koch

(Philosophie, Heidelberg; a.koch@uni-heidelberg.de):

Reflexionen über das Böse.

Der Holocaust als Grenzüberschreitung und Wendepunkt in der deutschen Geschichte

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In seiner Religionsschrift von 1793 vertritt Kant die Position, dass der Grund des menschlichen Bösen weder in der Sinnlichkeit, die wir mit den Tieren teilen, noch in einem Aufstand der Vernunft, die wir mit möglichen anderen Geistwesen teilen, gegen die Vernunft sel­ber und ihr Sittengesetz liegt. Ersteres wäre tierisch, letzteres teuflisch. Das genuin menschliche Böse besteht demgegenüber „nur“ in einer Verkehrung der gebotenen Rangordnung von Vernunft und Sinnlichkeit, deren wir uns immer schon schuldig gemacht haben. So weit Kant.

 

Doch es gibt Verbrechen monströsen Zuschnitts, die den Eindruck des im Kantischen Sinne Teuflischen durchaus erwecken und zu der Deutung einladen, hier sei wider das vernünftige Gute als solches gehandelt und Böses um des Bösen willen bezweckt worden. Paradigmatisch gilt dies für den deutschen Genozid an den europäischen Juden im Zweiten Weltkrieg.

 

Daher müssen wir in dem singulären Fall des Judenmords zwei gegenläufige Tendenzen der Diagnose und Erklärung miteinander in Einklang bringen: einerseits dem Anschein Rechnung tragen, hier sei Böses um des Bösen willen getan und in rebellischer Grenzüberschreitung gegen das Sittengesetz als solches vorgegangen worden, andererseits ein Motiv in der bewussten oder unbewussten Präferenzlage des Täterkollektivs aufspüren, das den Judenmord als zweckrationales Handeln aus faktenblinder Eigenliebe zu beschreiben erlaubt.

 

Als eine Hypothese, die dieses komplexe Desiderat erfüllen könnte, soll der Gedanke ventiliert werden, der Holocaust könne als eine Rebellion, wenn nicht geradewegs gegen die reine praktische Vernunft und ihr Moralgesetz so doch gegen den mit dem Moralgesetz historisch assoziierten Gott der Christen – und ursprünglich eben der Juden – gedeutet werden. In diesem Sinn ließe sich der deutsche Judenmord dann als „teuflisch“ apostrophieren. Seine Rationalisierung als prima facie zweckdienlich erhielte er auf der anderen Seite aus der Diagnose eines ungelösten Konflikts in der kollektiven Psyche des deutschen Tätervolks, der auf ein altes, innerdeutsches, traumatisches Großereignis im Zuge der Christianisierung Deutschlands und einen uneingestandenen deutschen Hass auf den Christengott zurückverweist.

 

Wenn es sich so verhielte, könnte die vollkommene Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg, zumal angesichts der hoffnungsvollen europäischen Nachkriegsordnung, die aus ihr hervorging, vielleicht als ein möglicher Wendepunkt hin zum Guten in der deutschen Geschichte betrachtet werden. (Aber das könnte natürlich auch Wunschdenken sein.)

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Anton Koch Reflexionen über das Böse Der
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Der Vortrag wurde am 25. Juni 2015 in der Sendung „Hörsaal“ von Deutschlandfunk Nova ausgestrahlt und kann auch als Podcast nachgehört werden. 



Do., 9. Juni 2016

Marco Wagner

(Historisches Institut, Mannheim; marcowag@mail.uni-mannheim.de):

Die Pest in Heidelberg, der Kurpfalz und Europa

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Mit der Pest trat eine Krankheit in die Geschichte der Menschheit, die Tod, Leid und Niedergang in das Europa des Mittelalters und der frühen Neuzeit brachte. Allein bei der großen Pestwelle in den Jahren 1348 bis 1353 fand bis zu ein Drittel der Bevölkerung auf dem europäischen Kontinent den Tod. Weite Landstriche wurden entvölkert, die Landwirtschaft brach ein und die Menschen versanken in Armut und Not. Auch Heidelberg und die Kurpfalz wurden zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert von der immer wieder-kehrenden Seuche jäh heimgesucht und hatten unter dem Schwarzen Tod zu leiden.

So wird im Rahmen des Vortrages der Frage nachgegangen, welche Aus-maße die Pestwellen in Europa sowie in Heidelberg und Umgebung annahmen und welche Folgen sie für die Bevölkerung, den Kontinent und die Region hatten. Auch wird betrachtet, wie sich hier die Menschen vor der Pest zu schützen versuchten. Wie erklärte man sich überhaupt diese Krankheit? Welche medizinischen und pharmazeutischen Maßnahmen wurden zur Prävention und Behandlung der Seuche getroffen? Und welche An- und Verordnungen traf der Kurfürst in Heidelberg, um der todbringenden Krankheit zu entgegnen?

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Marco Wagner Die Pest in Heidelberg, der
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Do., 2. Juni 2016

Prof. Dr. Marcus Müller

(Germanistik, Darmstadt; mueller@linglit.tu-darmstadt.de):

Vom doppelten Untergang des Eisbären.

Der Klimawandel als sprachliches Ereignis

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